DGRV und Entwicklungszusammenarbeit

Die Initiative ergreifen – Selbsthilfe fördern
Seit seiner Gründung im Jahr 1972 ist der DGRV in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Der Wissenstransfer von deutschen Genossenschaften in andere Länder und Regionen der Welt hat aber eine noch viel längere Tradition. Schon vor über 100 Jahren hat beispielsweise das damals aufstrebende Japan die Genossenschaftsidee und das Genossenschaftsgesetz aus Deutschland erfolgreich übernommen. Viele andere Länder der Welt sind diesem Beispiel gefolgt und haben an die eigenen Verhältnisse angepasste rechtliche Rahmenbedingungen für Genossenschaften geschaffen, um so die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Land voranzubringen. Internationale Zusammenarbeit ist eine Aufgabe und Verpflichtung, die von der Genossenschaftsorganisation also schon immer wahrgenommen wurde. Mit der Förderung der unternehmerisch ausgerichteten und genossenschaftlich organisierten Selbsthilfe trägt der DGRV zur Bekämpfung der weltweiten Armut, zur Sicherung des Friedens und zu einer gerechten Gestaltung der Globalisierung bei.
Die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen
Entwicklungszusammenarbeit
Der Mehrebenen-Ansatz des DGRV
Ziele und Ausrichtung unserer Arbeit
Zielgruppen, Partner, Beratungsschwerpunkte und Leistungen

Die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen
Mit der Millenniumserklärung im Jahr 2000 haben sich die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verbindliche Ziele zur Armutsbekämpfung und zum Umweltschutz gesetzt. Die Ziele sollen bis zum Jahr 2015 erreicht werden. An erster Stelle steht dabei die Minderung der weltweiten Armut. Nicht nur Regierungen, sondern auch Organisationen der Zivilgesellschaft und Unternehmen sind weltweit aufgerufen, sich an der Erreichung dieser Ziele zu beteiligen.
Trotz erheblicher Erfolge bei der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in einigen Ländern lebt das Gros der Weltbevölkerung weiterhin in Armut. Viele Menschen können die Chancen der Globalisierung nicht nutzen. Die Gründe hierfür liegen in ungünstigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in den Ländern selbst, aber auch in nachteiligen internationalen Handelsbeziehungen. Nationale und globale Strukturverwerfungen wirken sich insbesondere im ländlichen Raum negativ aus und führen zu Landflucht und Migration. Sie verursachen Probleme für Kleinst-, Klein- und mittlere Unternehmen (KKMU), die ein wichtiger Faktor in jeder prosperierenden Wirtschaft sind. Oft mangelt es diesen Betrieben am Zugang zu Finanzdienstleistungen, Betriebsmittel- und Absatzmärkten, neuen Technologien und Know-how. Die unzureichende Ressourcenausstattung ist jedoch nur ein Teil des Problems. Besonders wichtig für die Entwicklung der KKMU ist auch die allgemeine Rechtssicherheit, ein transparentes staatliches Handeln (Good Governance) und eine Wirtschaftsordnung, die gleiche Chancen und Bedingungen für alle sicherstellt, die sich unternehmerisch betätigen wollen.

Entwicklungszusammenarbeit
Die Entwicklungszusammenarbeit der Bundesregierung zielt darauf ab, wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu fördern und so u.a. zur weltweiten Armutsbekämpfung und Sicherheit beizutragen.
Ein wichtiges Instrument des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist dabei die Sozialstrukturförderung. Ihr besonderes Ziel ist es, durch strukturbildende Maßnahmen nachhaltige Verbesserungen der Lebensbedingungen armer Bevölkerungsgruppen zu erreichen. In der Sozialstrukturförderung, aber auch bei der Wirtschaftsförderung kommt Selbsthilfeansätzen eine wichtige Rolle zu, denn wirksame Armutsbekämpfung kann letztlich nur Hilfe zur Selbsthilfe bedeuten.
Strukturentwicklung setzt die binnenwirtschaftliche Integration voraus, also regionale Märkte ohne Zutrittsbarrieren. Dies wiederum erfordert den Aufbau von marktverbindenden Institutionen und Unternehmen, damit die Bevölkerung an der wirtschaftlichen Entwicklung partizipieren kann. Der Privatsektor spielt dabei eine bedeutende Rolle. Konsequenterweise müssen strukturbildende Fähigkeiten von KKMU gefördert und Möglichkeiten für selbständige Unternehmer ausgebaut werden, um Arbeitsplätze und Einkommen zu schaffen.
Die Sozial- und Wirtschaftsstruktur eines Landes wird durch Genossenschaften und deren Netzwerke positiv beeinflusst. Genossenschaften im Finanzsektor, Handel, Handwerk und in der Landwirtschaft sind in vielen Ländern das Rückgrat der wirtschaftlichen Aktivitäten. Sie tragen wesentlich zur Entwicklung eines Landes bei, weil sie auf lokaler Initiative und Wirtschaftskraft aufbauen und damit zielgruppennah wirken. Genossenschaften gehören zu den nachhaltigsten Unternehmen; mit ihnen können die Vorteile einer dezentralen Tätigkeit mit den Stärken einer regionalen und nationalen Vernetzung genutzt werden.
Mit dieser Zielrichtung fördert der DGRV den Aufbau von genossenschaftlichen Strukturen im Kredit-, gewerblichen und ländlichen Bereich. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Finanzsektor, insbesondere im Bereich Mikrofinanzen. Mit Hilfe von Spar- und Kreditgenossenschaften soll benachteiligten Personengruppen der Zugang zu sicheren Finanzdienstleistungen ermöglicht werden.
Der Mehrebenenansatz des DGRV
Zentralregierung, Gebietsregierungen, Ministerien, Zentralbank/Aufsichtsbehörde
- Rechtsrahmen für Genossenschaften, KKMU, ländliches Finanzwesen
- Regulierung, Verordnungen, Aufsicht, Lizenzierung, Normen, Standards
- Refinanzierungsprogramme, Unterstützung/Koordination |
Nationale Verbände
(mit diversen Dienstleistungen, z.B. Beratung, Prüfung) |  | Nationale genossenschaftliche Zentralen |  |  |
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Regionale Verbände
(mit diversen Dienstleistungen, z.B. Beratung, Prüfung) |  | Regionale genossenschaftliche Zentralen (z.B. Bank) |  |
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Lokale Genossenschaften
(Spar- und Kreditgenossenschaften, ländliche und gewerbliche Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften) |  |
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Mitglieder / Kunden der lokalen Genossenschaften (KKMU, Landwirte, Bevölkerung),
genossenschaftlich organisierte Selbsthilfegruppen |  |
Jede Genossenschaft muss leistungsfähig sein, um den Förderauftrag ihrer Mitglieder erfüllen zu können. Die Leistungsfähigkeit einer Genossenschaft hängt jedoch nicht allein von der Leistungsfähigkeit des Genossenschaftsbetriebs selbst ab. Es sind die entsprechenden rechtlichen und regulatorische Rahmenbedingungen (Makro-Ebene) erforderlich, die den Freiraum für genossenschaftliches Handeln schaffen. Die einzelne Genossenschaft muss aber auch Teil eines subsidiär aufgebauten Netzwerks sein, um von den Leistungen spezialisierter Zentralunternehmen und Verbänden – insbesondere im Bereich der Ausbildung und Prüfung – profitieren zu können (Meso-Ebene). Auf der Mikro-Ebene sind u.a. eine konsequente wirtschaftliche Ausrichtung, eine adäquate interne Organisation und gut ausgebildete Führungskräfte und Mitarbeiter erforderlich. In der Projektarbeit setzt der DGRV mit seinen Beratungs- und Dienstleistungen auf allen Ebenen (Makro-, Meso- und Mikroebene) an.
Die Projektarbeit des DGRV zeichnet sich durch hohe Flexibilität aus. Kurzfristig kann auf Anfragen aus den Ländern oder von Organisationen mit Beratungen und Maßnahmen reagiert werden. Die Projekte werden teilweise mit Langzeitexperten durchgeführt, die in den DGRV-Büros vor Ort arbeiten. Spezielle fachliche Expertise wird mit Hilfe von Kurzzeitexperten angeboten.

Wir wollen, dass:
- breite Bevölkerungsschichten an der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung ihres Landes teilhaben,
- die Ursachen und Folgen von wirtschaftlichen und sozialen Nachteilen dauerhaft beseitigt werden,
- der Wille zur Selbsthilfe und Eigenverantwortung gestärkt wird
- Strukturen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung geschaffen werden.
Wir fördern:
- Genossenschaften und genossenschaftliche Verbundstrukturen im Finanz-, Handwerks- und Agrarsektor,
- die Errichtung von zentralen Einrichtungen, z.B. Zentralkassen,
- den Aufbau von Aus- und Weiterbildungssystemen,
- den Aufbau von Prüfungssystemen in Zusammenarbeit mit den nationalen Bankenaufsichtsbehörden und Zentralbanken und
- sinnvolle genossenschaftsfreundliche Rahmenbedingungen, z.B. Bankenaufsicht, Bankengesetz, Genossenschaftsgesetz.
Wir orientieren uns an:
- den entwicklungspolitischen Leitlinien und Konzepten der Bundesregierung sowie internationaler Institutionen,
- der Situation des Partnerlandes bzw. der dort lebenden Menschen,
- der unternehmerisch ausgerichteten Selbsthilfe im Sinne der Genossenschaftspioniere Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch und
- den langjährigen Projekterfahrungen als kompetente Durchführungsorganisation in der Entwicklungszusammenarbeit.

Unsere Zielgruppen und Partner:
- Mitglieder und Kunden von Genossenschaften
- Genossenschaften und genossenschaftliche Zentraleinrichtungen
- politische Entscheidungsträger
- Fachministerien
- Zentralbanken und Bankenaufsichtsbehörden.
Unsere Beratungsschwerpunkte:
- Aufbau, Organisation und Management von Genossenschaften
- Risikomanagement, Frühwarnsysteme, Managementinformationssysteme
- Microfinance
- Genossenschafts- und Bankenrecht; Bankenaufsicht
- landwirtschaftliche Produktion (Verarbeitung, Vermarktung)
- Handel
- Genossenschaftliche Prüfungssysteme; Einlagensicherung
- Aus- und Weiterbildung; EDV
Unsere Leistungen:
- Beratung durch Langzeit- und Kurzzeitexperten
- Seminare und Lehrmaterialien
- Gutachten und Expertisen
- Zusammenarbeit mit Zentralbanken und Bankenaufsichtsbehörden
- Praktika in Deutschland und anderen Ländern (Süd-Süd-Kooperation)
- Partnerschaften und Kooperationen
- Software-Lösungen
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