DGRV lehnt IFRS für KMU ab
Berlin. Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. (DGRV) nimmt heute Stellung zum Standardentwurf des International Accounting Standards Board (IASB) der „IFRS für den Mittelstand“ (IFRS für KMU). Anlass ist die heutige Beratung im Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments.
Konzeption missglückt
Die vollen IFRS sind als Ausgangspunkt für die Entwicklung von IFRS für KMU nicht geeignet. Die Kosten-Nutzen Aspekte des Mittelstandes werden nicht angemessen berücksichtigt. Zahlreiche Standards sind 1:1 aus den vollen IFRS kopiert. IFRS für KMU sind kein 'stand-alone document'. Die vollen IFRS müssen zusätzlich beachtet werden. Querverweise und Rückgriffe auf die vollen IFRS stellen eine untragbare Belastung für die Anwender dar. Die IFRS für KMU führen im Vergleich zu den europäischen Bilanzrichtlinien zu einer Vervielfachung der bürokratischen Belastung. Beispielhaft sind zu nennen: ca. 400 Anhangangaben, Kapitalflussrechnung und Eigenkapitalspiegel als zusätzliche Bestandteile, Bewertung erfolgt vielfach zu aufwendig ermittelten Zeitwerten und die Ansatzpflicht von Steuerlatenzen.
Untragbare Folgen für den Mittelstand
Das IASB lehnte es ab, die Auswirkungen der IFRS für KMU zu untersuchen. IFRS ist als Besteuerungsgrundlage nur bedingt geeignet. Alternative Systeme zur Bemessung der Ausschüttungshöhe stehen noch nicht zur Verfügung. IFRS für KMU nehmen keine Rücksicht auf die Rechtsformen von mittelständischen Unternehmen, insbesondere bei der Anerkennung des gesellschaftsrechtlichen Eigenkapitals. Die Fortentwicklung des umstrittenen IAS 32 ist für den deutschen Mittelstand unbedingt erforderlich, da er keine befriedigenden Lösungen für Genossenschaften, Personengesellschaften und GmbHs bietet.
Mangelnde Legitimation des IASB
Das IASB will mit IFRS für KMU auch die europäische Rechnungslegung harmonisieren. Die EU hat hierfür kein Mandat erteilt. Das IASB ist spezialisiert auf die Informationsbedürfnisse der Investoren am Kapitalmarkt. Über die Informationsbedürfnisse des Mittelstandes fehlt dem IASB jegliches Know-how. Wie bei den vollen IFRS besteht keine ausreichende Mitwirkung bei der Entwicklung und Verabschiedung der IFRS für KMU, weder von Seiten der Politik noch von Fachkreisen. Vertreter der EU sowie des Mittelstandes müssen in den Gremien des IASB ausreichend repräsentiert werden.
Der Vorstandsvorsitzende des DGRV, Herr Prof. Dr. Carl-Friedrich Leuschner, lehnt eine Anwendung der IFRS für KMU ab: „Angesichts der gravierenden fachlichen Mängel und der Defizite in den politischen Prozessen dürfen die IFRS für KMU nicht in europäisches Recht übernommen werden. Die Modernisierung der EU-Bilanzrichtlinien mit sinnvoller Annäherung an einzelne IFRS und das bestehende Wahlrecht zur Anwendung der vollen IFRS stellen einen adäquaten Rechtsrahmen für Unternehmen verschiedenster Größen und Branchen dar. Der DGRV hat zu dieser Problematik eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die einzelnen Auswirkungen umfangreich analysieren wird.“
Der DGRV ist sowohl der Spitzenverband als auch Prüfungsverband der deutschen Genossenschaftsorganisation, die mit über 17 Mio. Mitgliedern in ca. 5.500 Genossenschaften die bei weitem mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation in Deutschland ist.
News-Archiv
12.10.2010Neuausrichtung des DRSC - Stärkung des Mittelstandes gefordert
08.06.2010Gemeinsame Konferenz des DGRV und der BStBK zu "IFRS für KMU" in Brüssel
25.03.2010Genossenschaften sind auch in der Krise starke Partner des Mittelstandes
16.02.2010DGRV: Rechnungslegungsstandard „IFRS für KMU“ ist für den Mittelstand in Europa nicht geeignet
08.12.2009DGRV-Schriftenreihe Band 42 - Neuauflage
18.09.2009 DGRV beanstandet mangelhafte Reformvorschläge für die Bilanzierung von Banken
27.08.2009DGRV kritisiert die aktuelle Entwicklung der internationalen Rechnungslegungsstandards
24.07.2009Sonderausgabe des DGRV-StandardSettingReport
26.06.2009"Drohende" Demokratisierung des IASB-Standardsetting?
04.05.2009EU-Konsultation: Stellungnahme des DGRV zur Überarbeitung der europäischen Rechnungslegungsrichtlinien
03.04.2009DGRV forciert Anerkennung von Geschäftsguthaben der Genossenschaften als Eigenkapital
26.03.2009DGRV begrüßt mittelstandfreundliche Änderungen im BilMoG
24.11.2008Österreichischer Controllerpreis 2008 geht an DGRV-Mitarbeiter
04.11.2008Weitergehende Änderung der Fair Value-Bilanzierung nach IFRS gefordert
13.10.2008Neues Konzept der IFRS verschärft prekäre Lage des deutschen Mittelstandes
11.09.2008Zum IASB-Papier
„Finanzinstrumente mit Merkmalen von Eigenkapital“
21.07.2008Neuerscheinung "Praxishandbuch Derivate und strukturierte Produkte"
03.06.2008DGRV fordert Nachbesserungen am Eigenkapitalkonzept des FASB
22.04.200814. Ausgabe des DGRV-StandardSettingReport
04.04.2008 Workshop zu BilMoG, IFRS for SMEs u. IAS 32 am 30.4.08
30.01.2008Eigenkapital als Risiko-kapital - Europäische Standardsetter für Weiter-entwicklung von IAS 32
16.01.2008Fehlende Offenlegung des Jahresabschlusses kostet
13.11.2007Referentenentwurf für ein Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG)
27.09.2007IFRS - Neue Anforderungen an die Rechnungslegung von Handelsunternehmen
11.06.2007IFRS für den Mittelstand - gegen eine Übernahme in EU-Recht
24.05.200713. Ausgabe des DGRV-StandardSettingReport
23.02.2007Zwölfte Ausgabe des DGRV-StandardSettingReport
22.02.2007Neuauflage DGRV-Schriftenreihe Heft 4 "Interne Revision in Kreditgenossenschaften"
22.12.2006Gesetz zur Änderung des Betriebsrentengesetzes verkündet
19.12.2006Bundesrat stimmt der Verordnung zu "EHUG" zu
19.12.2006Bundesrat hat dem Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (TUG) zugestimmt
24.11.2006Aktualisierung des Loseblattwerks "Jahresabschluss der Kreditgenossenschaft"
16.11.2006Elfte Ausgabe des DGRV-StandardSettingReport
27.09.2006Studie von DGRV und VÖB: Die Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital nach IFRS
27.07.2006Zehnte Ausgabe des DGRV-StandardSettingReport
26.06.2006DGRV kritisiert IAS 32 - Änderungen helfen deutschem Mittelstand nicht weiter
11.04.2006Neunte Ausgabe des DGRV-StandardSettingReport
19.01.2006Achte Ausgabe des DGRV-StandardSettingReport
17.10.2005Siebente Ausgabe des DGRV-Newsletter "StandardSettingReport"
28.09.2005Europäisches Parlament verabschiedet Abschlussprüferrichtlinie
11.07.2005Sechste Ausgabe des StandardSettingReport
24.05.2005Ergänzungslieferung von "Wertpapier- und Depot-geschäft" ist verfügbar
09.05.2005DGRV-Stellungnahme:
Internationle Rechnungs-
legungsstandards in Deutschland
13.04.2005Unabhängigkeit der genossenschaftlichen Prüfungsverbände nach BilReG
13.04.2005Fünfte Ausgabe des StandardSettingReport
21.03.2005Qualifizierung rückzahl-barer Kapitaltitel nach IAS32
18.03.2005Fortentwicklung des deutschen Bilanzrechts
09.03.2005Deutsche Übersetzung aller IAS/IFRS veröffentlicht
28.02.2005DGRV begrüßt Öffnung des Europäischen Bilanzrechts für Genossenschaften
11.01.2005Vierte Ausgabe des StandardSettingReport
03.12.2004Überarbeitung der Loseblattausgabe "Jahresabschluss der Kreditgenossenschaft"
05.11.2004Bilanzierung von Geschäftsguthaben in Genossenschaften nach IAS 32
02.11.2004Bilanzrechtsreformgesetz bestätigt Besonderhei-
ten des genossen-
schaftlichen Prüfungssystems
20.10.2004Bundesjustizministerium lenkt bei Bilanzreform ein
18.10.2004Dritte Ausgabe des StandardSettingReport
14.09.2004Der DGRV fordert eine Überarbeitung der Eigenkapitaldefinition nach IAS 32
30.06.2004Erster Internationaler Rechnungslegungsstandard für Genossenschaften
17.06.2004Geschäftsguthaben nach IAS 32, Dr. Leuschner beim Raiffeisentag
04.05.2004Erster Erfolg für Genossenschaften vor dem internationalen Interpretationskomitee IFRIC
28.04.2004Organisationsanweisung für das börsengehandelte Termingeschäft der Kreditgenossenschaften (Depot B)