
DGRV-Fachreport für
genossenschaftliche Unternehmen
ein Unternehmen zu gründen kann eine echte Herausforderung sein. Dies gilt auch, wenn Gründungsinteressierte die genossenschaftliche Rechtsform ins Auge fassen. Um Initiatorinnen und Initiatoren bei den ersten Schritten Orientierung zu geben und den Gründungsprozess zu beschleunigen, hat der DGRV gemeinsam mit den regionalen Prüfungsverbänden die Gründungsplattform www.genossenschaften.de grundlegend überarbeitet. Mehr über die neuen nützlichen Tools und weitere Hilfestellungen auf der Seite erfahren Sie in unserer Titelstory.
Immer wieder werden Gründungsinitiativen gerade beim Erstellen einer zu ihrem Zweck passenden und rechtsgültigen Satzung vor Probleme gestellt. Diese ist bei einer Genossenschaft neben dem Genossenschaftsgesetz die wichtigste (Rechts-)Grundlage für das Wirken der Genossenschaft und somit essenziell für eine erfolgreiche Gründung. Abhilfe kann hier der Satzungsgenerator schaffen. Wie dieser genau funktioniert und welche Erleichterungen und Vorteile er für ein Gründungsvorhaben mit sich bringt, wird im Beitrag aus der Abteilung Recht skizziert.
Im argentinischen Sunchales gibt es an ausnahmslos allen Grund- und weiterführenden Schulen eine Schülergenossenschaft. Eine Besonderheit, deren Auswirkungen weit über schulische Aktivitäten hinausgehen. Lesen Sie im Beitrag der Abteilung Internationale Beziehungen, wie es zu einer so tiefen Verankerung von Genossenschaften im Schulwesen gekommen ist und welche Effekte Schülergenossenschaften als integraler Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen auf Wirtschaft und Kultur haben.
Der DGRV hat gemeinsam mit den regionalen Prüfungsverbänden die Gründungswebsite www.genossenschaften.de neu gestartet. Mit den bereitgestellten Tools kann die Gründungsberatung von nun an interaktiv mit den Gründungsinitiativen erfolgen. Das erleichtert den Initiatorinnen und Initiatoren die Orientierung und beschleunigt den Gründungsprozess.
Bei den meisten Initiativen steht am Anfang die Frage, ob die eigene Gründungsidee zur genossenschaftlichen Rechtsform passt. Für diese grundsätzliche Frage steht auf www.genossenschaften.de ein Schnellcheck bereit. In diesem Test werden alle relevanten Punkte vorab geklärt: Neben der obligatorischen Mitgliederförderung, der Ablehnung von bloßen Kapitalsammelstellen und der gleichberechtigten (demokratischen) Kooperation wird auch danach gefragt, ob überhaupt ein Unternehmen gegründet werden soll und ob die Zusammenarbeit langfristig geplant ist. Erst wenn alle Antworten bei diesem Schnellcheck positiv ausfallen, kommt die Genossenschaft als Rechtsform infrage.
Besonderheiten der Genossenschafts-
gründung
Die Gründung eines Unternehmens in genossenschaftlicher Rechtsform ist anspruchsvoller als bei anderen Unternehmensformen. Eine der Hauptursachen hierfür ist die Gründungssituation mit mehreren Personen. Die konkrete Ausgestaltung der Geschäftsidee – also die Entscheidungen über die Produkte und Dienstleistungen, den Kundenkreis oder das Geschäftsgebiet – ist bei einer Gruppengründung schlichtweg aufwändiger, vor allem wenn die Vorstellungen innerhalb der Gruppe auseinanderfallen. Es müssen Diskussionen geführt und Kompromisse gefunden werden.
Darüber hinaus müssen die Besonderheiten der Genossenschaft beachtet werden, wie etwa die Förderung der Mitglieder. Das klingt trivial, doch die Erstgespräche in der Beratungspraxis zeigen, dass beispielsweise das unzulässige bloße Kapitaleinsammeln oder die Gewährung einer Dividende nicht nur im (unzulässigen) Einzelfall als alleiniger Unternehmenszweck vorgetragen werden. Es ist auch nicht jede Kooperationsidee mit der demokratischen Grundstruktur der Genossenschaft gut vereinbar. Diese unpassenden Vorstellungen bremsen eine Genossenschaftsgründung oder führen gänzlich zum Abbruch des Vorhabens. Hinzu kommen noch die üblichen Themen bei einer Unternehmensgründung wie die Frage nach dem eigentlichen Geschäftsmodell, die erforderlichen Ressourcen und Fähigkeiten oder die kaufmännische Kalkulation des Vorhabens.
GenoCanvas erleichtert den Einstieg, GenoPlan die weiteren Schritte
Damit dieser große Berg an Fragen besser bezwungen werden kann, wird auf www.genossenschaften.de ein GenoCanvas bereitgestellt. Dabei handelt es sich um die Adaption des klassischen Canvas-Modells für die Geschäftsentwicklung. Der GenoCanvas beinhaltet dementsprechend neben den üblichen Fragen der Unternehmensgründung wie dem Wert- oder Nutzenversprechen durch die Geschäftstätigkeit, die Schlüsselaktivitäten und -ressourcen oder den Vertriebskanälen auch den Förderzweck und den Mitgliederkreis. Gründungsinteressierte können sich auf www.genossenschaften.de registrieren und mit dem GenoCanvas Schritt für Schritt ihr genossenschaftliches Geschäftsmodell entwickeln.
Mit dem GenoCanvas soll die Konkretisierung der Gründungsidee erleichtert werden. Auch zur Vorbereitung eines Erstgesprächs mit einem Prüfungsverband ist die Vorlage hilfreich. Wenn das Erstgespräch positiv verläuft, können die Gründungsinitiativen an die Erstellung eines umfassenderen Businessplans gehen. Auch hierfür wird auf www.genossenschaften.de ein weiteres Tool bereitgestellt: der GenoPlan. Auf Basis der bisher gespeicherten Inhalte können nun weitere Ausarbeitungen wie eine Break-Even-Analyse oder Risikoeinschätzung erfolgen.
Mit dem Satzungsgenerator schnell und unkompliziert zur individuellen Satzung
Ein zentraler Bestandteil des genossenschaftlichen Businessplans ist die Erstellung einer Satzung. Hierfür wurde ebenfalls ein interaktives Tool bereitgestellt: der Satzungsgenerator. Auf Basis der neuen DGRV-Gründungssatzung kann mit standardisierten Schaltflächen und Auswahlmenüs beispielsweise die Höhe der Geschäftsanteile oder die Zulassung von investierenden Mitgliedern festgelegt werden. Das Tool ersetzt jedoch keine rechtliche Beratung. Es erleichtert aber erheblich die Erstellung eines Satzungsentwurfs.
Der Clou an der neuen Plattform: Die Gründungsinitiativen können ihren beratenden Verband für den Zugriff auf die Gründungsdokumente oder die jeweiligen gespeicherten Zwischenstände freischalten. Das ermöglicht die interaktive Bearbeitung der Gründungsunterlagen virtuell an einem Ort, verkürzt Feedbackschleifen und vermeidet unnötigen Arbeitsaufwand.
Neben nützlichen Tools bietet die Plattform auch themenübergreifende Portraits von erfolgreichen Genossenschaften, Informationen zur genossenschaftlichen Rechtsform und Hinweise zu interessanten Veranstaltungen im genossenschaftlichen Umfeld.
Die Plattform stellt auch bereits gegründeten Genossenschaften wichtige Informationen zu vielfältigen Themen rund um die ersten Schritte nach der Gründung bereit. Darüber hinaus richten sich die Angebote auch an Personen, die ein bestehendes Unternehmen in eine Genossenschaft umwandeln möchten. Für alle drei Ausgangslagen stehen auf www.genossenschaften.de Materialien zum Download beziehungsweise zum freien Gebrauch bereit.
Direkt zu den Tools auf www.genossenschaften.de:
In dem Beitrag „Made to meassure“ wird die detaillierte Funktionsweise des Satzungsgenerators vorgestellt.
Der Satzungsgenerator des DGRV
Auf der neu gestalteten Online-Plattform www.genossenschaften.de gibt es viel Neues zu entdecken – unter anderem den Satzungsgenerator des DGRV. Nach erfolgreicher Registrierung auf der Website steht er Gründungsinteressierten zur Verfügung, um diese bei ihrem Gründungsvorhaben noch besser zu unterstützen. Die Satzung einer Genossenschaft ist neben dem Genossenschaftsgesetz (GenG) die wichtigste (Rechts-)Grundlage für das Wirken der Genossenschaft (vgl. § 18 § 1 GenG). Deshalb sollte die Satzung von Beginn an zur Geschäftsidee der Genossenschaft und ihren Mitgliedern passen – im besten Fall wie ein Anzug nach Maß, eben made to measure.
Was ist der Satzungsgenerator?
Der Satzungsgenerator ist eine webbasierte Anwendung, mit der sich ein Entwurf für eine Satzung generieren/schneidern lässt, der vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung (siehe nachfolgend) von allen dem DGRV angeschlossenen Prüfungsverbänden anerkannt wird. Federführend entwickelt wurde er vom DGRV Arbeitskreis Neue Genossenschaften mit dem Ziel, Gründungsinteressierten und Gründungsberaterinnen und -beratern Zeit und Mühe bei den Vorbereitungsarbeiten zu sparen.
Erreicht wird dies dadurch, dass schon von Beginn an der richtige Satzungstext ausgewählt oder bildlich gesprochen, der richtige Stoff für den Satzungszuschnitt gewählt wird. Das Heraussuchen einer existierenden Satzung, die dann durch die Gründungsinteressierten nach den eigenen Vorstellungen umformuliert wird, sollte damit der Vergangenheit angehören. Dies ist deshalb so wichtig, weil das GenG einen Mindestinhalt (vgl. §§ 6 ff. GenG) vorgibt beziehungsweise im GenG sogenannte Satzungsstrenge herrscht, also von den Bestimmungen des GenG nur insoweit abgewichen werden darf, wie dies im GenG ausdrücklich für zulässig erklärt wird (§ 18 Satz 2 GenG). Eine Satzung, die diesen Anforderungen nicht genügt, wird im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Eintragung der Genossenschaft abgelehnt wird (vgl. § 11a Ab§ 3 GenG).
Wie funktioniert der Satzungsgenerator?
Als Grundlage dienen die über viele Jahre etablierten Mustersatzungsregelungen der einzelnen genossenschaftlichen Sparten, die über den DGRV koordiniert, gepflegt und weiterentwickelt werden. Damit existiert fortan eine „DGRV-Gründungssatzung“ mit der sichergestellt wird, dass der Grundzuschnitt passt, in dem diese Satzung regelmäßig aktualisiert wird.
Da Gründungsvorhaben – vergleichbar mit der menschlichen Anatomie – von ganz unterschiedlicher Statur sind, bedarf die Mustersatzung Anpassungen, insbesondere weil sie schon in ihrer Ausgangsversion verschiedene Auswahlmöglichkeiten bietet, wie zum Beispiel die Zulassung von investierenden Mitgliedern. Bei diesen Auswahlmöglichkeiten setzt der Satzungsgenerator an. Entweder dadurch, dass Freifelder zur individuellen Befüllung vorgesehen sind, oder dass eine Auswahlanhand von Dropdown-Listen erfolgt. Der Satzungsgenerator enthält hierzu kurze Erklärungen. Durch die Auswahl von bestimmten Satzungsregelungen in den Dropdown-Listen werden nur widerspruchsfreie Eingaben ermöglicht, was die nachträgliche Prüfung durch den zuständigen Prüfungsverband erleichtert, weil dieser eine Satzung, die aus dem Satzungsgenerator stammt, nicht noch einmal in seiner Gesamtheit überprüfen muss, sondern sich auf den (nachträglichen) individuellen Anpassungsbedarf beschränken kann. Im besten Fall wird der Satzungsgenerator gemeinsam mit der zuständigen Gründungsberatung bedient. In jedem Fall trägt der Satzungsgenerator dazu bei, dass der Gründungsaufwand reduziert wird. Denn anders als zum Beispiel im Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHG) (Anlage 1 und 2) gibt es im GenG kein gesetzliches Satzungsmuster für eine Genossenschaftsgründung.
Nachdem alle Freitextfelder ausgefüllt und alle Auswahlmöglichkeiten angeklickt worden sind, wird ein fertiger Satzungsentwurf generiert, der als PDF-Dokument für die weiteren Schritte des Gründungsvorhabens genutzt werden kann.
Optimal vorbereitet ins Gründungsgespräch
Der Satzungsgenerator ist keine künstliche Intelligenz (KI), die durch Beantwortung von zuvor festgelegten Fragen, eine vollmaßgeschneiderte Satzung erstellt. Dies rechtssicher zu gewährleisten, dürfte aktuell – wenn überhaupt – nur mit unvertretbarem Programmieraufwand möglich sein. Folglich ist die Satzung aus dem Generator nicht mehr und nicht weniger als eine gute Basis für die abschließende individuelle Beratung durch den jeweils zuständigen Regionalverband. Hier wird im Anschluss an die Erstellung durch den Satzungsgenerator geprüft, ob alle Eingaben, insbesondere in den Freitextfeldern, rechtlich zulässig sind oder es wird Vollmaß genommen und die Satzung an die ganz individuellen und spezifischen Wünsche der Gründerinnen und Gründer weiter angepasst. Ohne diese zusätzliche Absicherung geht es nicht, weil der Satzungsgenerator nur ein technisches Hilfsmittel und die Satzung auch Gegenstand der Gründungsprüfung durch den zuständigen genossenschaftlichen Prüfungsverband ist.
Ausblick: Mit optimierten Prozessen menschlicher Expertise den Weg ebnen
Die Gründungsberatung und die Gewährleistung einer rechtssicheren Satzung werden auch in naher Zukunft nicht ohne menschliche Expertise auskommen. Trotzdem ist die neue Internetseite www.genossenschaften.de mit dem Satzungsgenerator ein sehr gutes Beispiel dafür, wie durch technische Unterstützung eine nützliche Lösung für die Praxis angeboten werden kann, ebenso wie für ein perfektes Zusammenspiel zwischen dem DGRV und seinen Mitgliedsverbänden.
Gemeinsam Perspektiven für eine nachhaltige Zukunft entwickeln
In der Provinz Santa Fé in Argentinien, etwa 600 km von Buenos Aires entfernt, liegt die Kleinstadt Sunchales. Obwohl sie nur 26.000 Einwohner hat, trägt sie den Beinamen „nationale Hauptstadt des Genossenschaftswesens in Argentinien“. Der Grund für diese Bezeichnung liegt in der langen Tradition genossenschaftlicher Unternehmen vor Ort. Zusätzlich hat Sunchales jedoch noch eine weitere „genossenschaftliche Besonderheit“: Ausnahmslos alle Grund- und weiterführende Schulen verfügen über eine Schülergenossenschaft.
Schülergenos-
senschaften als integraler Bestandteil von Wirtschaft und Kultur
In Sunchales wird auf den ersten Blick klar: Das Konzept der Schülergenossenschaften ist weit mehr als nur eine schulinterne Aktivität. Viele Menschen und Institutionen sind involviert.
Eine wichtige Rolle spielt beispielsweise das Haus der Genossenschaften „Casa Cooperativa de Provisión Sunchales“, das die Entwicklung der Schülergenossenschaften maßgeblich beeinflusst hat. Auch die Gruppe der genossenschaftlichen Versicherungsgesellschaft Sancor Seguros, zu welcher eine breite Palette von Genossenschaften gehören und die 80% des Bruttoinlandsprodukts in diesem Gebiet erwirtschaftet, fördert Schülergenossenschaften aktiv. Beide Institutionen erkannten, dass Schülergenossenschaften für das Interesse an Genossenschaften in der jungen Generation einen Grundstein legen und somit zum langfristigen Bestehen dieses Wirtschaftsmodells beitragen können.
Die jahrelange Sensibilisierung für die genossenschaftliche Idee sowie eine adäquate Kommunikation über das Konzept der Schülergenossenschaften, die sowohl die Gemeinschaft als auch Verantwortliche der verschiedenen Institutionen überzeugte, war für die Entwicklung der Schülergenossenschaften von großer Bedeutung. Maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat zum Beispiel auch ein ständiger Austausch zwischen dem Bildungsministerium der Provinz Santa Fé und den Wirtschafts- und Bildungsbereichen von Sunchales durch das Förderprogramm für Schülergenossenschaften sowie die Unterstützung durch die SANCOR Gruppe.
Die finanzielle Unterstützung ist in Sunchales sogar gesetzlich verankert: 3% der von den Genossenschaften an die Gemeinde gezahlten Steuern müssen direkt an die Schülergenossenschaften weitergegeben werden. Dieser finanzielle Anreiz wird für den Kauf von Ressourcen verwendet, die für die Produktion einiger Schülergenossenschaften benötigt werden, wie z. B. 3D-Drucker, Brennöfen für Keramik oder Saatgut für Gemüsegärten.

Die Schülergenossenschaft der „Pioneros de Rochdale“ Schule hat sich dem umweltfreundlichen und nachhaltigen Gemüseanbau verschrieben.
(Bildnachweis: DGRV)
Rahmenbedingungen werden auch in den Schulen geschaffen
Neben den externen Rahmenbedingungen gibt es auch schulinterne Aspekte, die maßgeblich den Erfolg von Schülergenossenschaften beeinflussen: Zum einen gibt es zahlreiche Lehrkräfte, die im Genossenschaftswesen ausgebildet und für die Vermittlung geschult sind. Sie unterstützen die Jugendlichen bei der Umsetzung der Aktivitäten der Schülergenossenschaften. Zudem nutzen sie die in Schülergenossenschaften vermittelten praktischen und theoretischen Ansätze, um die sozialen und analytischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Das geht weit über die klassischen Unterrichtsinhalte hinaus.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Verknüpfung mit den Lehrinhalten. Dabei wird gleichzeitig darauf geachtet, dass sich die Aktivitäten der Schülergenossenschaften an den Interessen der Mitglieder orientieren. Diese können verschiedenste Form annehmen: von Schulradio über Keramikproduktion bis hin zur eigenen Bäckerei, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Teilweise kommerzialisieren die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Produkte sogar und lernen auf diese Weise, ihr Taschengeld selbst zu verdienen.
In allen Schulen ist eine große Motivation zur Mitarbeit in der jeweiligen Schülergenossenschaft zu beobachten. Kinder und Jugendliche lernen so nicht nur verschiedene handwerkliche und geistige Fertigkeiten, sondern auch diverse Soft Skills wie die Übernahme von Verantwortung oder die Zusammenarbeit im Team. Im Kontext der Schülergenossenschaften erleben sowohl Lehrerinnen und Lehrer als auch Schülerinnen und Schüler eine Beziehung auf Augenhöhe und schätzen insbesondere die Möglichkeiten der Mitgestaltung und des selbstständigen Handelns.
Auf diese Weise erlernt die nachfolgende Generation, was Partizipation bedeutet. Man übt miteinander demokratisches Denken und Handeln und wird dadurch Stück für Stück auf die reale Welt vorbereitet. Ein schönes Beispiel für dieses Potenzial liefert ein Blick in die Vorstände der Schülergenossenschaften: Bei den gewählten Vorstandsmitgliedern ist bereits jetzt ein hoher Anteil von Schülerinnen in den führenden Positionen bemerkenswert.
Ein Mehrwert für Bildungssysteme auf der ganzen Welt
Schülergenossenschaften leisten einen wichtigen Beitrag zu einer qualitativ hochwertigen Bildung: Es wird ein breites Spektrum an akademischen Inhalten wie z. B. Finanz- und Berufsausbildung sowie wichtige pädagogische Methoden für Learning by Doing und den Erwerb von spezifischem Fach-Know-how vermittelt.
Auch der DGRV fördert im Rahmen einer internationalen Projektarbeit, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) unterstützt wird, das Konzept des Schülergenossenschaftswesens in verschiedenen Ländern Lateinamerikas. Dabei ist es immer wichtig, dass solche Konzepte an die jeweilige Realität vor Ort angepasst werden. Die Stiftung der Sancor-Gruppe und der Casa Cooperativa Sunchales leistet mit ihrer Förderung von Schülergenossenschaften eine großartige Arbeit und stellt damit für ähnlich gelagerte Projekte des DGRV eine wichtige Inspirationsquelle dar. Die Initiative zeigt beispielhaft, wie sich selbst eine Kleinstadt zu einem Hotspot für genossenschaftliches Denken entwickeln kann. Sie zeigt ebenso, dass sich auch die junge Generation für Partizipation und Teilhabe in der Gesellschaft begeistern lässt.
Internationales Netzwerktreffen in Sunchales

Genossenschaftliche Werte im Klassenzimmer
(Bildnachweis: DGRV)
Vom 6. bis 8. April 2022 besuchte eine Gruppe von 13 Vertreterinnen von Projektpartnern und Mitarbeiterinnen des DGRV in Chile (Spar- und Kreditgenossenschaft-SKG COOPEUCH), Uruguay (SKG COOPACE), Paraguay und Mexiko (DGRV) die Schülergenossenschaften von Sunchales. Es gab einen vielschichtigen Austausch mit Verantwortlichen der Gemeinde und Provinzbehörden u. a. der Abteilung für Schülergenossenschaften des Bildungsministeriums der Provinz Santa Fé. Ein Highlight war die virtuelle Zuschaltung der Koordinationsstelle für Genossenschaften bei den Vereinten Nationen (UN) und der International Cooperative Alliance (ICA).
Alle betonten die Bedeutung des Engagements der beteiligten Schulen und von Sancor Seguros sowie die Einbindung von Institutionen verschiedener staatlicher Ebenen. Es wurde ausführlich diskutiert, wie eine adäquate Ausbildung der jungen Generation aussehen kann.
Die genossenschaftliche Bildung hat sich hier als ein äußerst zielführender Weg zum Erwerb von Werten, zur Förderung der Autonomie von Kindern und Jugendlichen, zur Wertschätzung kollektiver Arbeit und zur Stärkung genossenschaftlicher Netzwerke in der Gesellschaft herausgestellt. Alle waren sich darüber einig, dass Schülergenossenschaften nicht nur zur Vermittlung professionellen Wissens, sondern auch zur persönlichen Entwicklung der einzelnen Genossenschaftsmitglieder beitragen können.