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Wärmeplanung in Deutschland – Chancen und Herausforderungen für Wärmegenossenschaften


Ein Beitrag von Jonas von Obernitz, Referent für Wärmepolitik, Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV


Mit dem Inkrafttreten des Wärmeplanungsgesetzes Anfang 2024 wurde ein entscheidender Schritt für die Wärmewende in Deutschland gesetzt. Kommunale Wärmepläne sollen künftig strategische Leitlinien für die Transformation der Wärmeversorgung bereitstellen und den Weg zur Klimaneutralität bis 2045 ebnen. Um Kommunen, Länder und weitere Akteure bei dieser Aufgabe zu unterstützen und die Wärmeplanung weiter zu verbessern, organisierten das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) und das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWBS) einen breiten Stakeholder-Dialog. Auch die Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften war eingeladen, an den drei ganztägigen Präsenz-Workshops und der Abschlussveranstaltung teilzunehmen. Als Stimme der Energiegenossenschaften setzen wir uns für die richtigen Rahmenbedingungen und Planungssicherheit ein. Im Fall der fast 300 Wärmegenossenschaften sind unsere konkreten Ziele, die Finanzierung von genossenschaftlichen Wärmenetzen zu erleichtern, genossenschaftliche Wärmeprojekte zu fördern, bürokratische Anforderungen an Wärmegenossenschaften schlank zu halten, sowie Wärmequellen zu erhalten. Darüber hinaus fordern wir von der Politik, Genossenschaften an der Wärmeplanung zu beteiligen und ihre Neugründungen zu fördern. Wir waren vor Ort, um die Positionen der Wärmegenossenschaften in den Dialog einzubringen. Durchgeführt wurde der Stakeholderdialog vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und der Deutschen Energie-Agentur (dena).

Das jetzt vorliegende Ergebnispapier fasst zentrale Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen des Stakeholderdialogs zusammen – von Datenfragen über die Rolle kleiner Kommunen bis hin zu Schnittstellen zwischen Wärmeplanung, Stadtentwicklung und Energieinfrastruktur. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Stärkung von Wärmegenossenschaften.

StS Frank Wetzel (BMWE), Ministerin Verena Hubertz (BMWSB), Kristina Haverkamp (dena) und Wolfgang Neußer (BBSR) präsentieren das Ergebnispapier des Stakeholder-Dialogs zur Kommunalen Wärmeplanung.

Herausforderungen der Wärmeplanung


Die Arbeitsgruppen zeigten deutlich, dass viele Kommunen – insbesondere kleinere – vor erheblichen Schwierigkeiten stehen. Die Datenlage ist oft unvollständig, uneinheitlich und schwer zugänglich, was fundierte Entscheidungen erschwert. Vorgeschlagen wird daher eine zentrale Bereitstellung von standardisierten Daten durch Bund und Länder, um Planungsprozesse effizienter und vergleichbarer zu machen.

Kleine Kommunen sind von den Anforderungen besonders betroffen: Ihnen fehlen finanzielle und personelle Ressourcen, vielfach auch das notwendige Fachwissen. Der Bund soll daher Arbeitshilfen, Vorlagen und Kurzinformationen bereitstellen, die den Einstieg erleichtern, sowie Beratungsangebote ausbauen. Gleichzeitig gilt es, die Akzeptanz der Wärmeplanung zu erhöhen. Dafür müssen Missverständnisse im Zusammenhang mit dem Gebäudeenergiegesetz ausgeräumt und der Nutzen von Wärmeplänen klar kommuniziert werden.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Verzahnung von Wärmeplanung und Bauleitplanung. Flächennutzungs- und Bebauungspläne können helfen, Flächen für Energieanlagen zu sichern oder den Ausbau von Wärmenetzen planerisch abzusichern. Empfohlen wird die Erstellung eines Praxisleitfadens mit konkreten Beispielen. Auch die bessere Koordinierung mit Strom- und Gasnetzbetreibern sowie die Nutzung von Quartierslösungen sollen die Wärmewende beschleunigen.

Wärmegenossenschaften als Schlüsselakteure


Ausführlich widmet sich das Ergebnispapier den Potenzialen von Wärmegenossenschaften. Sie gelten als ein zentraler Hebel, um die Wärmewende lokal erfolgreich umzusetzen. Genossenschaften ermöglichen Bürgerinnen und Bürgern direkte Teilhabe, schaffen Transparenz und erhöhen die Akzeptanz von Wärmenetzprojekten. Kapital, das in der Region gesammelt wird, bleibt vor Ort und dient dem Aufbau klimaneutraler Infrastrukturen. Die nicht gewinnorientierte Ausrichtung macht sie für viele Menschen attraktiv, während gleichzeitig ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und Mitbestimmung entsteht.

Der Aufbau von Genossenschaften leistet zudem einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag: Durch das Engagement vieler Einzelner entsteht ein gemeinschaftlicher Prozess, der das Vertrauen stärkt und Multiplikatoren hervorbringt, die die Idee weitertragen. Damit können Wärmegenossenschaften nicht nur als Betreiber, sondern auch als Motoren für Beteiligung, Kommunikation und Akzeptanz wirken.

Um dieses Potenzial zu entfalten, empfiehlt das Ergebnispapier gezielte politische und administrative Unterstützung. Kommunen sollen aktiv bei der Gründung helfen, etwa durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten, durch die Vermittlung von Kontakten oder durch das Teilen von Satzungsbeispielen. Zudem sollen Bürgschaften – von Kommunen oder Ländern – geprüft werden, um Investitionen abzusichern. Landesenergieagenturen könnten mit Beratungsangeboten und Vernetzungsstrukturen flankieren. Vorgeschlagen wird außerdem, erfolgreiche Praxisbeispiele systematisch aufzubereiten und als Orientierung für neue Projekte verfügbar zu machen.

Die Förderung von Wärmegenossenschaften wird damit nicht nur als technische oder wirtschaftliche Maßnahme verstanden, sondern als gesellschaftlicher Ansatz, der die Wärmewende zu einer Gemeinschaftsaufgabe macht.

Quartierslösungen und integrierte Planung


Neben der Rolle der Genossenschaften betont das Papier die Chancen von Quartierslösungen. Wenn ganze Nachbarschaften gemeinsam geplant werden, lassen sich Wärmenetze effizienter entwickeln. Öffentliche Liegenschaften oder große Verbraucher können dabei als Ankerkunden fungieren. Ergänzt wird dies durch den Vorschlag, „Kümmerer“-Rollen einzurichten – Personen oder Organisationen, die als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Bürgerschaft und Energieinfrastruktur agieren.

Fazit


Das Ergebnispapier zum Stakeholder-Dialog verdeutlicht: Die Wärmewende ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern vor allem eine soziale und organisatorische. Ohne klare Datenstrukturen, Unterstützungsangebote für kleine Kommunen und eine enge Verzahnung mit Stadtentwicklung und Infrastrukturplanung wird der Wandel schwer umzusetzen sein. Wärmegenossenschaften nehmen dabei eine besondere Rolle ein. Sie verbinden lokale Investitionen mit Transparenz, Selbstwirksamkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt – und können so entscheidend zum Erfolg einer bürgernahen Wärmewende beitragen.

Die Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften wertet es als großen Erfolg, dass die Wärmegenossenschaften im Zusammenhang des Stakeholder-Dialogs zur kommunalen Wärmeplanung als wichtige Akteurinnen gestärkt werden. Entsprechend hob die neue Ministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Verena Hubertz, in ihrer Rede zur Abschlussveranstaltung die Rolle der Genossenschaften ebenfalls hervor.

Das Ergebnispapier finden Sie hier.

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