Ein Beitrag von
Olga Thiel, Referentin Lateinamerika,
Luisa Arias, Projektkoordinatorin,
Viviana Rúa, Projektberaterin
Wie lassen sich Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbinden? Mit dem Projekt „LAC E-Coop: Pilotierung grüner Finanzierungen zur Förderung gemeinschaftsbasierter Lösungen für saubere Energie“ (2024–2027) verfolgt der DGRV gemeinsam mit ausgewählten Partnern in sechs Ländern Lateinamerikas dieses Ziel.
Das von der Interamerikanischen Entwicklungsbank (Inter-American Development Bank, IDB) und ihrem Zweig für innovative Projekte IDB Lab finanzierte Vorhaben unterstützt Spar- und Kreditgenossenschaften dabei, Investitionen in erneuerbare Energien zu ermöglichen. Menschen in ländlichen Regionen sollen auf diese Weise Zugang zu erschwinglicher Finanzierung für moderne Energiegewinnung erhalten. Wie sich dies in Verbesserungen für die Menschen vor Ort übersetzen lässt, zeigt unser Projekt in Kolumbien: Dort konnte die Wassergenossenschaft Juan Cojo-Cuchillas mithilfe eines grünen Kredits der Spar- und Kreditgenossenschaft CFA ihre Wasseraufbereitung modernisieren und die Trinkwasserqualität für rund 5.000 Menschen deutlich verbessern.

Mitglieder von Juan Cojo-Cuchillas
In Kolumbien arbeiten wir mit den Spar- und Kreditgenossenschaften CFA und Coogranada zusammen. Diese haben mithilfe der IDB-Finanzierung gezielte Kreditlinien entwickelt, um grüne Finanzprodukte anbieten zu können. Die Kredite richten sich vor allem an Zusammenschlüsse kleinbäuerlicher Produzentinnen und Produzenten, aber auch an Genossenschaften anderer Branchen im ländlichen Raum und können beispielsweise zur Finanzierung von Solartechnologien für Produktions- und Verarbeitungsprozesse genutzt werden.
Doch das Projekt ist umfangreicher: Der DGRV ergänzt die Finanzierung durch gezielte genossenschaftliche Organisations- und Unternehmensberatung. Dabei wird analysiert, wie die Genossenschaft aufgestellt ist, etwa in Bezug auf seine Zusammenarbeit mit den Mitgliedern. Aber auch ihre Marktanbindung, ihre finanzielle Situation sowie die Entwicklung ihrer Produkte oder Dienstleistungen und deren ökologischen Auswirkungen werden betrachtet. So wird sichtbar, was bereits gut funktioniert und wo noch Entwicklungspotenzial besteht. Auf dieser Grundlage entsteht ein individueller Aktionsplan, der genau auf die jeweilige Genossenschaft zugeschnitten ist. Die Fortschritte werden regelmäßig überprüft.
Wie dieser Ansatz konkret wirkt, zeigt das Beispiel der Wassergenossenschaft Juan Cojo-Cuchillas in der Gemeinde Girardota in Kolumbien. Die Organisation versorgt rund 5.000 Menschen in ländlichen Gebieten mit Trinkwasser. Um die Wasseraufbereitung zu verbessern, plante die Organisation die Anschaffung einer Solaranlage. Aufgrund der hohen Investitionskosten war eine Finanzierung jedoch lange Zeit nicht möglich. Erst durch einen grünen Kredit der Kreditgenossenschaft CFA konnte die Solaranlage installiert werden. Sie liefert nun den Strom für die Automatisierung des Aufbereitungsprozesses. Vor Beginn des Projekts wurden die Chemikalien für die Wasseraufbereitung manuell dosiert. Dieser Prozess war nicht nur zeitaufwendig, sondern auch anfällig für Fehler und Risiken, was zu Schwankungen in der Wasserqualität führen konnte. Die Automatisierung hat die Abläufe deutlich verbessert: Die Dosierung erfolgt nun präziser, die Wasserqualität ist stabiler und gleichzeitig konnten die Betriebskosten gesenkt werden.
Des Weiteren wurde die Juan Cojo-Cuchillas Genossenschaft durch genossenschaftliche Organisations- und Unternehmensberatung weiterhin begleitet. Es wurde mit der Genossenschaft ein individueller Aktionsplan entwickelt, um die Organisation ganzheitlich zu stärken. Beraterinnen und Berater begleiten Juan Cojo-Cuchillas in den Bereichen Governance, Mitgliederförderung und Zusammenarbeit, Dienstleistungen (hier die Bereitstellung von Trinkwasser), Finanzen sowie Umweltschutz. Auf diese Weise soll die nachhaltige Entwicklung und langfristige Leistungsfähigkeit der Organisation erreicht werden. Juan Cojo-Cuchillas ist zudem Teil eines von CFA begleiteten Netzwerks aus elf Wasserorganisationen, das den fachlichen Austausch und die gegenseitige Unterstützung fördert.
Das Beispiel zeigt, dass nachhaltige Entwicklung mehrere Komponenten umfasst. Technologie und Finanzierung sind wichtige Voraussetzungen, entfalten ihre Wirkung aber erst im Zusammenspiel mit leistungsfähigen und gut organisierten genossenschaftlichen Strukturen.
Während grüne Kredite notwendige Investitionen ermöglichen, sorgt unsere genossenschaftliche Organisations- und Unternehmensberatung dafür, dass Genossenschaften diese Chancen auch langfristig nutzen können. Sie stärkt Kompetenzen, verbessert Strukturen und fördert eigenverantwortliches Handeln. So können gemeinschaftlich organisierte Unternehmen insbesondere in ländlichen Regionen dazu beitragen, grundlegende Dienstleistungen wie die Wasser- und Energieversorgung nachhaltig bereitzustellen.
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