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Neue Energie für Afrika


Ein Beitrag der PerspektivePraxis-Redaktion.


Bis zum Jahr 2040 wird die Energienachfrage Afrikas um rund 80 Prozent steigen. Diese Nachfrage soll vor allem aus Ressourcen wie Sonne, Wind und Biomasse gedeckt werden. Der afrikanische Kontinent bietet große Potenziale im Bereich der erneuerbaren Energien. Über diese Potenziale und Herausforderungen diskutierten rund 300 internationale Gäste am 27. Juni 2017 im Haus der DZ BANK im Herzen Berlins. Der DGRV hatte in Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zum Kongress „Neue Energie für Afrika. Genossenschaftlich – dezentral – erneuerbar“ geladen. Neben zahlreichen Praktikern aus der Erneuerbare-Energien-Branche – darunter viele Energiegenossenschaften – und Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit sowie Vertretern von Forschungseinrichtungen, Ministerien und Medien, waren auch einige Bundestagsabgeordnete und die Botschafter(innen) aus 13 afrikanischen Staaten der Einladung an den Pariser Platz gefolgt.

Energieinitiative des BMZ vor


Eröffnet wurde der Kongress vom Vorstandsvorsitzenden des DGRV, Dr. Eckhard Ott. Er betonte in seinem Grußwort, dass die rund 850 in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland gegründeten Energiegenossenschaften eine breite Beteiligung der Bevölkerung an der Energiewende ermöglichen. „Da-rüber hinaus fördern sie die regionale Wirtschaft und stärken die Akzeptanz für erneuerbare Energien. Diese Vorteile sollten auch in Afrika genutzt werden. Der DGRV steht mit seiner langjährigen Erfahrung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit als Partner bereit, um die Initiierung von Bürgerenergie-Projekten auf dem afrikanischen Kontinent zu unterstützen“, so Ott. Im Anschluss stellte Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller die Eck-punkte seiner Initiative „Grüne Bürgerenergie für Afrika“ vor. Er konkretisierte damit die bereits zu Jahresanfang im Rahmen seines Marshallplans mit Afrika ausgerufenen Reformideen für die Energieversorgung des afrikanischen Kontinents. „Ohne Energie keine Entwicklung, ohne Entwicklung keine Jobs. Im Schulterschluss mit Genossenschaften, Kommunen und der Privatwirtschaft bringen wir Lösungen für eine grüne Energieversorgung in die ländlichen Regionen Afrikas“, erklärte der Minister. „So leisten wir einen Beitrag zu einer klimafreundlichen wirtschaftlichen Entwicklung und schaffen nachhaltige Zukunftsperspektiven für die Menschen vor Ort. Afrika kann der erste Kontinent sein, der sich vollständig aus erneuerbaren Energien versorgt. „Bei der Umsetzung dieser Pläne sollen Genossenschaften, Kommunen und die Privatwirtschaft eine zentrale Rolle spielen. Im Rahmen der Initiative sollen Bürgerenergiepartnerschaften gegründet werden, bei denen deutsche Bürger, Genossenschaften und Kommunen ihr Wissen mit afrikanischen Partnern teilen können. Darüber hinaus will das Ministerium in den nächsten fünf Jahren in acht ausgewählten afrikanischen Staaten den Aufbau eines rechtlichen und administrativen Rahmens für Bürgerenergie-Genossenschaften unterstützen. Eine Ausbildungsinitiative für Energiefachkräfte ist ebenfalls geplant. Eine Vertreterin der Länder, die im Fokus der BMZ-Initiative stehen, kam im Anschluss selbst zu Wort. Irene Muloni, Ministerin für Energie und Rohstoffe der ostafrikanischen Republik Uganda, stellte ihre Pläne für eine grüne und dezentrale Energiezukunft ihres Landes vor. Obgleich in den letzten Jahren schon viele Energieprojekte auf den Weg gebracht wurden, sind in Uganda noch immer rund 80% der Menschen ohne Energiezugang. Die Ministerin betonte daher ihr großes Interesse an einem Austausch mit den deutschen Energiegenossenschaften und drückte ihre Hoffnung aus, dass diese dabei helfen können, alle Menschen in Uganda in den nächsten Jahren mit Energie zu versorgen. „Let`s turn the dark continent into a green continent!“, rief die Ministerin den Kongressgästen zu. Wie dieser Aufruf Realität werden könnte, konkretisierten anschließend Dr. Christoph Beier, Mitglied des Vor-stands der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Peter Pichler, Berater im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit im Projekt „GaiaAfrica“. Letzterer schilderte seine Erfahrungen aus Mosambik und betonte das große Potenzial aber auch die Herausforderungen für Bürgerenergiegenossenschaften in dieser Region.

Praktiker aus Bürgerenergie und Kommunen im Gespräch


Das Vormittagsprogramm endete dann mit einer spannenden Gesprächsrunde. Unter der Überschrift „Genossenschaften und Kommunen – Partner für Afrika“ diskutierten Josef Göppel, Bundestagsabgeordneter der CSU, Katharina Habersbrunner, Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft BENG eG, Manuel de Araújo, Bürgermeister der Stadt Quelimane in Mosambik, Günter Mögele, Bürgermeister der mit zahlreichen nationalen und internationalen Energiepreisen ausgezeichneten schwäbischen Gemeinde Wilpoldsried und Serge Etoundi, Solarunternehmer aus Kamerun. Am Nachmittag konnten die Kongressteilnehmer ihre Ideen für einen Energiedialog mit Afrika dann in drei parallelen Foren weiter vertiefen. Im Fokus standen dabei die Fragen „Welchen konkreten Beitrag können Energiegenossenschaften für dezentrale Energieprojekte in Afrika leisten?“, „Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit die Kooperation von Kommunen, Genossenschaften und kommunalen Unternehmen erfolgreich ist?“ und „Was sind die größten Potenziale und Probleme einer dezentralen Energieversorgung in Entwicklungsländern?“. Zum Ende des Kongresses waren sich alle Teilnehmer einig: Der enorme Energiebedarf stellt Afrika vor große Herausforderungen, bietet aber auch große Chancen, in grüne Energie zu investieren. Gute gesetzliche Rahmenbedingungen, eine bezahlbare Technik sowie das Knowhow und die Eigeninitiative der Menschen vor Ort bestimmen dabei den Erfolg. Einen wichtigen Impuls hierfür können Partnerschaften mit deutschen Energiegenossenschaften leisten.

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