Nachbericht zur traditionsreichen Veranstaltung der Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV

Jan Holthaus
Am 27. Januar 2026 war es wieder so weit: Trotz Eisesglätte und Zugausfällen fanden rund 250 Vertreter:innen aus Politik, Energiewirtschaft und dem genossenschaftlichen Verbund den Weg ins Haus der DZ BANK am Pariser Platz in Berlin und versammelten sich zu unserem alljährlichen Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende.
Auch wenn zuletzt in der energiepolitischen Debatte häufig Gaskraftwerke im Vordergrund standen und einige Aussagen aus dem Wirtschaftsministerium in der Erneuerbaren-Branche für Verunsicherung sorgen, zeigte das große Interesse an unserer Veranstaltung eindeutig: Die Zukunft der erneuerbaren Energien muss auch für die aktuelle Regierung ganz oben auf der Agenda stehen.
In seiner Begrüßung unterstrich DGRV-Vorstand Jan Holthaus das zentrale Thema der Planungssicherheit: Insbesondere Fragen zu Finanzierung und Förderung bräuchten dringend klare und schnelle Antworten. Auch wenn die weltpolitischen Ereignisse der vergangenen Tage die Schlagzeilen dominierten, bleibe die Energiewende für Bürger:innen wie für die Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Sie dürfe nicht ins Hintertreffen geraten. „Gerade deshalb ist es heute so wichtig, den Expert:innen aus Energie- und Wirtschaftspolitik aufmerksam zuzuhören“, so Holthaus` einleitende Worte.

Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende 2026
Den inhaltlichen Auftakt des Kongresses bildeten Impulsvorträge von
Heinen-Esser thematisierte die weiterhin ausstehende Reform des EEG und mahnte verlässliche Perspektiven für den EE-Sektor an. Obwohl das Energiepaket zwingend noch im ersten Quartal kommen müsse, sei bislang kein einziger Eckpunkt veröffentlicht wurden, so Heinen-Esser. Doch gerade der EE-Sektor brauche eine verlässliche Perspektive und ausreichend Zeit, um auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können – das gelte in besonderem Maße für Energiegenossenschaften.
Des Weiteren betonte sie angesichts der aktuellen politischen Weltlage die Bedeutung dezentraler Versorgungsstrukturen, die Akteure wie Genossenschaften aufbauen. Diese sorgten nämlich für Resilienz und dafür, unabhängig von ausländischen Importen zu werden.

(v.l.n.r.) Jan Holthaus, Dr. Julia Verlinden, Ursula Heinen-Esser, Dr. Henning von Stechow
Dem schloss sich Dr. Julia Verlinden in ihrem Beitrag an: Genossenschaften stünden für gelebte Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Demokratisierung des Energiesystems. Außerdem hob sie die Leistung der (Energie-)Genossenschaften für die Akzeptanz der Energiewende vor Ort hervor. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei hoch und die direkte Beteiligung durch Genossenschaften ließe sie weiter steigen. „Genossenschaften ermöglichen es, dass Menschen mitwirken, anstatt hilflos zuzusehen“, sagte Verlinden. In seiner Replik mahnte von Stechow, wie Heinen-Esser auch, die mangelnde Planungssicherheit an. Er hob hier insbesondere das Beihilferecht als zentrales Thema hervor, dass von der Bundesregierung dringend angegangen werden müsse. Das sei essenziell für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Ein Schwerpunkt des diesjährigen Bundeskongresses lag auf der Wärmewende. In ihrem Impuls machte Stephanie von Ahlefeldt, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), deutlich, dass Genossenschaften eine tragende Rolle bei der Umsetzung der Wärmewende spielen können. (Wärme-)Genossenschaften tätigen nicht nur erhebliche Investitionen in den Ausbau der (erneuerbaren) Wärmeversorgung indem sie privates Kapital hebeln, sondern fungieren auch als wichtige Impulsgeber für die Politik. Das BMWE will ein Finanzierungsinstrument schaffen, dass auch für genossenschaftliche Wärmenetze geöffnet wird und im Wärmeplanungsgesetz die verbindliche Einbeziehung von Wärmegenossenschaften integrieren, so von Ahlefeldt.

Stephanie von Ahlefeldt
Der anschließende Austausch mit Vertreter:innen aus der Praxis zeigte, unter welchen Voraussetzungen genossenschaftliche Wärmeprojekte erfolgreich realisiert werden können – insbesondere mit Blick auf Finanzierung, Bürokratieabbau und bessere regulatorische Rahmenbedingungen, aber vor allem passende Förderbedingungen wie z.B. im Bundesförderprogramm für effiziente Wärmenetze.
Emöke Kovac, Gründungsmitglied der Boben Op Nahwärme eG, brachte unter anderem das Thema Konditionen und Tempo bei der Finanzierung von Wärmenetzen sowie Netzerweiterungen durch Banken ein. Wärmgenossenschaften seien für viele Banken eine „große Unbekannte“. Wie man in Dänemark sehen könne, führen förderliche gesetzliche Regelungen zu besseren Bedingungen und Finanzierungen wie z.B. besseren Zinskonditionen für genossenschaftliche Wärmeprojekte.
Armin Komenda, Vorstand der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG, bestätigte die Fremdkapitalfinanzierungsproblematik im Zusammenhang mit ihren Wärmeprojekten. So würden Banken ein Wärmenetz nicht als Sicherungsmittel akzeptieren, was die Fremdkapitalfinanzierung enorm erschwere. Um dieses Problem zu lösen, brauche es sowohl politische Unterstützung als auch die Rückendeckung der Genossenschaftsbanken, so Komenda. Ferner erklärte Komenda, dass die Finanzierung von genossenschaftlichen Wärmenetze konkret über ein Förderprogramm, das über den Deutschlandfonds läuft, gelöst werden könnte.

(v.l.n.r.) Stephanie von Ahlefeldt, Emöke Kovac, Armin Komenda, René Groß
Die Moderation des Wärmepanels übernahm René Groß, Leiter Strategie und Politik, Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV.
In einer Podiumsdiskussion diskutierten energiepolitische Vertreter der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE mit dem Publikum über aktuelle Fragen der Energiepolitik. Die Moderation übernahm Dr. Andreas Wieg, Leiter der Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften. Themen waren unter anderem der Ausbau erneuerbarer Energien, die künftige Ausgestaltung der finanziellen Förderung von Erneuerbaren sowie die Bedeutung dezentraler Strukturen für ein resilientes Energiesystem. Kernthema der Diskussion waren die Unsicherheiten, die mit der ausstehenden Reform des EEG entstehen. Alle waren sich einig: Es muss Planungssicherheit geben.

(v.l.n.r.) Hans Koller, Helmut Kleebank, Michael Kellner, Jörg Cezanne, Dr. Andreas Wieg
Hans Koller, Berichterstatter für das EEG und Energiewirtschaftsrecht der CDU/CSU-Bundestagsfraktion stellte klar: Neben der Planungssicherheit muss auch der Bestandsschutz gewahrt sein. Investitionen müssen sich rechnen können.
Zugleich unterstrich er die zentrale Rolle eines dezentralen Stromnetzes und würdigte ausdrücklich den Beitrag der Energiegenossenschaften: „Jede kleine Anlage ist wertvoll“, betonte Koller.
Letzterem schloss sich Helmut Kleebank, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der SPD-Bundestagsfraktion, grundsätzlich an: Man müsse Dezentralität fördern, eine Vielfalt der Akteure sei wünschenswert. Gleichzeitig mahne Kleebank aber an, ein Ausspielen „Groß gegen Klein“, wie es sich in den aktuellen Plänen des BMWE abzeichne, sei nicht zielführend.
Gefragt nach konkreten Maßnahmen für eine Umstellung der Fördersystematik nannte er CfDs (Contracts for Difference), die ein cleveres Instrument seien, um es Erzeugern zu ermöglichen, sich gegen schwankende Strompreise abzusichern. Darüber hinaus sprach er sich für eine De-minimis-Regelung für kleine Anlagen aus sowie auch für den Schutz von Bestandsanlagen. Außerdem wolle die SPD bürokratische Hürden für den Ausbau der Erneuerbaren senken.
Michael Kellner, Sprecher für Energiepolitik der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, stimmte beim Punkt Planungssicherheit zu, sah die Aussagen seiner Vorredner aber ansonsten kritisch: Man dürfe nicht so tun, als seien kleine PV-Dachanlagen ein zentrales (Kosten-)Problem der Energiewende. Der Fokus sei falsch gelegt. „Wir haben eine beeindruckende Erfolgsgeschichte vorzuweisen,“ so Kellner. Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreite massiv voran, inklusiver deutlicher Kostendegressionen – insbesondere bei Speichern. „Sowohl Speichertechnologien als auch erneuerbare Energien boomen.“ Man dürfe jetzt nicht stoppen, sondern müsse die Netzinfrastruktur gezielt und zügig ertüchtigen, damit sie mit diesem dynamischen Ausbau Schritt halten kann.
Jörg Cezanne, Obmann im Ausschuss für Wirtschaft und Energie und Sprecher für Energiepolitik der Fraktion DIE LINKE, kritisiere insbesondere das Vorgehen von Energieministerin Katherina Reiche, die erst große Dinge verspreche und Probleme adressiere und dann monatelang nichts folgen lasse. Cezanne sah das Hinterherhinken der Deutschen beim EE-Ausbau auch darin begründet, dass die PV-Module, Windkraftwerke und Elektrolyseure, überwiegend nicht mehr in Deutschland hergestellt werden. „Wir sollten als Land ein Interesse daran haben, die Technologien selbst zu produzieren und zu entwickeln“, fasste es Cezanne zusammen.

Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende 2026
Ein fester Bestandteil des Bundeskongresses ist die Innovationsschau. In dem Wettbewerbsformat stellen Mitglieder aus der genossenschaftlichen Gruppe ihre wegweisenden Projekte vor und lassen sie im Publikums-Voting gegeneinander antreten. Die Moderation übernahm in diesem Jahr Jonas von Obernitz, Referent für Wärmepolitik und Elektromobilität der Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV.
Diesen innovativen Ideen aus der genossenschaftlichen Gruppe haben wir eine Bühne geboten:
Der Publikumspreis ging in diesem Jahr an die Solarwärme Bracht eG, die mit ihrem Wärmeversorgungsprojekt nicht nur durch einen solaren Deckungsgrad von beeindruckenden 70 Prozent überzeugte, sondern auch durch das außergewöhnliche Engagement und die Vielzahl der Menschen aus der Region, die sich in der Planungs‑ und Umsetzungsphase eingebracht haben.

(v.l.n.r.) Jan Holthaus, Theresa Pfrommer, Dr. Björn Sossong, Christoph Teuchert, Klaus Pfalz, Juna Schönborn, Kai Buntrock, Laura Zöckler, Jonas von Obernitz
Zum Abschluss des diesjährigen Kongresses richtete sich der Blick noch einmal auf die zentrale Zukunftsfrage, die Energiegenossenschaften derzeit umtreibt: Wie geht es weiter mit der Förderung erneuerbarer Energien – und welche Weichen werden jetzt gestellt?
Antworten darauf gaben die beiden Experten Dr. Matthias Stark, Abteilungsleiter beim Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) und Fabian Huneke, Projektleiter Energiewende im Stromsektor bei Agora Energiewende. Die Moderation übernahm Anton Mohr, Referent für Strompolitik und Europa, Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV.
Eine zentrale Erkenntnis des Panels: Aus den aktuellen Entwicklungen lässt sich ableiten, dass die Zeit der unkomplizierten EEG-Vergütung für ungeregelte Stromeinspeisung aller Voraussicht nach zu Ende geht. Für die Energiegenossenschaften ist es vor dem Hintergrund der kommenden Veränderungen entscheidend, dass weiterhin eine finanzielle Förderung bestehe, die allen Marktteilnehmern Planungs- und Investitionssicherheit biete. Zudem müsse eine Abschöpfung ausschließlich auf realer Einspeisung beruhen und die Netzanschlussbedingungen fair, transparent und standardisiert sein. Darin waren sich die beiden Experten einig.

(v.l.n.r.) Dr. Matthias Stark, Fabian Huneke, Anton Mohr
Im Anschluss an den Bundeskongress luden wir gemeinsam mit dem GdW zum Jahresempfang der deutschen Genossenschaften ein. In entspannter Atmosphäre kommt dort traditionell das Who-is‑Who der genossenschaftlichen Verbände und der Bundespolitik zusammen. Als Gastrednerin trat in diesem Jahr die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand Gitta Connemann auf. In ihrer Rede unterstrich sie eindrucksvoll die zentrale Bedeutung von Genossenschaften für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
„Genossenschaften stehen für den Mittelstand in allen Wirtschaftsbereichen – und handeln dabei konsequent mit sozialem Anspruch“, fasste Connemann es zusammen.

(v.l.n.r.) Axel Gedaschko, Gitta Connemann, Jan Holthaus
Mit großem Interesse verfolgte das Publikum insbesondere die Ausführungen zum aktuellen Referentenentwurf des Genossenschaftsgesetzes. Im BMWE würden die Hinweise und Kritikpunkte aus der genossenschaftlichen Praxis – insbesondere zur geplanten Einschränkung der Leitungsautonomie des Vorstands – nicht nur aufmerksam wahrgenommen, sondern seien in vielen Punkten nachvollziehbar. Das Ministerium werde daher weiterhin den engen Austausch mit dem genossenschaftlichen Verbund suchen und den Gesetzgebungsprozess konstruktiv und mit Wohlwollen begleiten, wie die Staatssekretärin betonte.

Jahresempfang der Genossenschaften 2026
Darüber hinaus bestätigte Connemann, dass die Bundesregierung an der Lösung der Kundenanlagenproblematik auf europäischer Ebene arbeitet. Auch ihr Appell für Bürokratieabbau und für mehr gegenseitiges Vertrauen zwischen Staat, Unternehmen und Bürger:innen fand breite Zustimmung im Saal. Ein weiterer zentraler Punkt – insbesondere für den GdW und die von ihm vertretenen rund 2.000 Wohnungsgenossenschaften – betraf das Gebäudemodernisierungsgesetz. Connemann sprach sich hier klar für Anpassungen aus:
Bezahlbare Mieten und notwendige Investitionen gelängen nur, wenn der Blick von einer einseitigen Dämm-Logik gelöst und konsequent auf wirksame CO₂‑Minderung gerichtet wird. Die kostengünstigsten Maßnahmen mit dem größten Klimaeffekt müssten Priorität haben – „nur so können Wohnungsgenossenschaften weiterhin gutes, sicheres und sozial verantwortbares Wohnen ermöglichen“, so Connemann.
Damit setzte sie zwei wichtige Signale aus dem Wirtschaftsministerium – Signale, die für 2026 auf einen Austausch auf Augenhöhe hoffen lassen.

Jahresempfang der Genossenschaften 2026
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer:innen auf der Bühne, dem Publikum und insbesondere auch bei unseren Veranstaltungspartner:innen.

unterstützten den Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende 2026

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Mehr Bilder vom diesjährigen Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende & Jahresempfang der deutschen Genossenschaften finden Sie hier.
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