Von Genossenschaften kann man viel lernen

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz auf Genossenschaftspolitischem Dialog von GdW und DGRV in Berlin

Berlin – „Die Finanz- und Wirtschaftskrise verlangt neue Antworten. Von der Idee der Genossenschaft können wir viel lernen. Was Genossenschaften ausmacht, kann heute ein Teil der Antwort auf die Krise sein“, betonte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz auf dem „Genossenschaftspolitischen Dialog“, der heute gemeinsam vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und dem DGRV – Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband in Berlin ausgerichtet wurde. „Die Genossenschaften gehören essenziell zu unserer sozialen Marktwirtschaft. Ich wünsche mir, dass sie gerade jetzt im Angesicht der Krise eine Renaissance erleben würden“, so der Bundesarbeitsminister.

"Genossenschaften spielen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft – rund ein Viertel aller Bundesdeutschen sind Mitglied einer Genossenschaft", betonte Lutz Freitag, Präsident des GdW auf der Veranstaltung in Berlin. "Genossenschaften bieten bundesweit mehr als 800.000 sichere Arbeitsplätze und bilden über 35.000 junge Menschen aus. Sie sind ein stabiler Wirtschaftsfaktor, das wird insbesondere in Zeiten der Krise deutlich", ergänzt Dr. Eckhard Ott, Vorstandvorsitzender des DGRV. In Deutschland gibt es rund 8.000 Genossenschaften. Dies sind vor allem Kredit-, Wohnungs- sowie ländliche und gewerbliche Genossenschaften mit bundesweit über 20 Millionen Mitgliedern.

"Gutes und sicheres Wohnen gewinnt gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit enorm an Bedeutung", erklärte Freitag. Die im GdW und seinen Regionalverbänden organisierten Wohnungsgenossenschaften bieten mit ihren über 2,2 Millionen Wohnungen - immerhin rund zehn Prozent des Mietwohnungsmarktes - mehr als fünf Millionen Menschen bezahlbares, lebenslanges und sicheres Wohnen. Das Unternehmenskonzept der Wohnungsgenossenschaften basiert dabei auf Gemeinschaftseigentum und Mitgliederförderung. Genossenschaften übernehmen soziale Verantwortung und werden demokratisch geführt, ihre Mitglieder entscheiden über die Unternehmenspolitik mit. Dabei sind Wohnungsgenossenschaften eine Wohnform der Zukunft: Ihr Hauptzweck ist die Förderung der wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder. Sie repräsentieren bürgerschaftliches Engagement und rationale Betriebswirtschaft. Dabei bieten sie ihren Mitgliedern weit mehr, als nur ein Dach über dem Kopf. Sie bieten zahlreiche Dienstleistungen rund um die Immobilie – wie Nachbarschaftstreffs, Einkaufshilfen, Krankenbetreuung, Ausflugsfahrten etc. So steigern sie die Wohn- und Lebensqualität und sorgen für sozial stabile Nachbarschaften.

Den großen Verbreitungsgrad und die Stabilität der Genossenschaften betonte auch Dr. Eckhard Ott: "Genossenschaftsanteile sind die am weitesten verbreitete Beteiligungsform in unserer Volkswirtschaft. Praktisch jeder Landwirt ist Mitglied einer Genossenschaft. 60 Prozent aller Handwerker, 75 Prozent aller Einzelhandelskaufleute, 90 Prozent aller Bäcker und Metzger sowie über 65 Prozent aller selbständigen Steuerberater sind Genossenschaftsmitglied." Der Grundgedanke ist bei jeder Genossenschaft gleich: Gemeinsam seine Ziele besser erreichen als im Alleingang. Eine genossenschaftliche Kooperation bietet sich immer an, wenn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Einzelnen nicht ausreicht, zugleich aber die selbständige Existenz bei einem Zusammenschluss gewahrt werden soll. Im Vordergrund steht die Förderung der Genossenschaftsmitglieder und nicht die Zahlung einer Rendite. „Es sind die regionalen und seriösen Geschäftsmodelle, die Genossenschaften weniger anfällig für Konjunktureinflüsse machen. Genossenschaften sind für ihre Mitglieder da. Dieses enge Verhältnis untermauert die Stärke der genossenschaftlichen Wirtschaftsform. Und dies ermöglicht keine spekulativen Geschäfte, sondern nur handfeste Leistungen. Das tut jeder Marktwirtschaft gut“, so Dr. Ott weiter.

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deutscher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie bewirtschaften ca. 6,2 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.
Pressesprecherin: Katharina Burkardt, +49 (30) 82403 151, burkardt@gdw.de

Der DGRV - Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. ist mit über 17 Millionen Mitgliedern in etwa 5.300 Genossenschaften die mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation in Deutschland. Der DGRV ist Spitzenverband und Prüfungsverband im Sinne des Genossenschaftsgesetzes. Er vertritt die gemeinsamen Interessen der genossenschaftlichen Gruppe, prüft, berät und betreut seine Mitglieder.
Pressesprecher: Adrian Grasse, +49 (30) 2 02 41 – 69 32, grasse@dgrv.de

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